Sysdata durchsuchen

Messen

Internet-Giganten brauchen Regeln

Was ist der Unterschied zwischen Social-Media-Plattformen und Abwasserrohren? Online-Unternehmen müssen ähnlich reglementiert werden wie Infrastruktur, sagt eine TU-Studie.

Die Macht grosser Internet-Plattformen ist im letzten Jahrzehnt gewaltig gewachsen. Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook gehören zu den grössten und finanzkräftigsten der Welt. In vielerlei Hinsicht haben sie traditionelle Firmen der „Old Economy“ überflügelt. Hunderte Millionen Kundinnen und Kunden könnten sich ihr Leben ohne bestimmte grosse Online-Plattformen gar nicht mehr vorstellen.


Grosse Macht bedeutet freilich immer auch grosse Verantwortung – und dieser Verantwortung werden rein wirtschaftlich denkende Unternehmen, wie die jüngsten Untersuchungen der EU-Kommission und der deutschen Monopolkommission belegen, nicht immer gerecht. In einer Studie, die von der Arbeiterkammer Wien in Auftrag gegeben worden war, untersuchte man im Forschungsbereich Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik (Institut für Raumplanung, TU Wien) die politische und wirtschaftliche Bedeutung von Internet-Giganten sowie unterschiedliche Regulierungsstrategien, wie man mit ihnen am besten umgehen soll. Dabei drängen sich Vergleiche zwischen den Internet-Riesen und traditionellen Infrastrukturbetreibern auf – etwa mit Telekommunikationsunternehmen. Auch sie sind zwar zumeist privat, müssen sich aber an strenge staatliche Regeln halten.

Internet

Internet-Giganten müssen reguliert werden, fordert eine Studie der TU Wien. Bild: pixabay
 

Starker Trend zur Marktkonzentration

„Wir beobachten ganz eindeutig eine zunehmende ökonomische Machtkonzentration bei den grossen Internet-Firmen“, sagt Leonhard Plank (TU Wien). Die Tendenz zu Monopolbildungen gibt es auch in anderen Branchen, aber im Online-Bereich ist dieser Trend ganz besonders stark. Es gibt nicht nur Skaleneffekte (mit steigender produzierter Menge sinken die Stückkosten), sondern auch sogenannte Netzwerkeffekte: Das Angebot wird durch zunehmende Popularität attraktiver. Ein soziales Medium, das nur wenige tausend Mitglieder hat, kann mit dem weltumspannenden Netz von Facebook nicht konkurrieren. Ausserdem gibt es „Lock-in“-Effekte: „Die Plattformen haben für den Alltag vieler Leute eine so grosse Bedeutung, dass ein Wechsel kompliziert und mühsam wäre. Deswegen wird es kaum ein anderes Unternehmen schaffen, die Kundschaft von diesen Plattformen wegzulocken“, erklärt Leonhard Plank.

Plank ist der Meinung, dass grosse Online-Plattformen ökonomisch betrachtet eine etwas andere Rolle spielen als herkömmliche Firmen, die etwa Autoteile oder Schokolade erzeugen und prinzipiell leichter ersetzbar sind: „Diese Online-Unternehmen haben nicht nur einen hohen Marktanteil, sie sind in zunehmendem Mass selbst der Markt.“ Amazon vermittelt etwa auch zahlreiche Käufe bei anderen, unabhängigen Händlern, die dort ihre Waren anbieten. Google betreibt mit YouTube die weltgrösste Videoplattform, auf der unzählige YouTube-Stars untereinander um Marktanteile kämpfen. An diesem Wettbewerb nimmt YouTube nicht teil, es liefert bloss die Infrastruktur dafür. Google gewinnt in jedem Fall.

Regeln sind nötig

In diesem Sinn kann man Online-Plattformen im Internet mit herkömmlichen Infrastruktureinrichtungen vergleichen – mit Telekommunikationsanbietern, mit Stromleitungen, mit Eisenbahnnetzen. Bei solchen Infrastrukturen können zwar private Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, aber es ist sinnvoll, wichtige Rahmenbedingungen staatlich festzuschreiben.

„Das beginnt beim Datenschutzrecht“, sagt Leonhard Plank. „Wir müssen festlegen, wie diese Unternehmen mit persönlichen Daten umgehen dürfen. Die EU-Datenschutzgrundverordnung hat hier bereits weltweit wichtige Standards gesetzt, die von Kalifornien bis Israel kopiert werden. Aber es gibt noch viele andere Punkte, bei denen zeitgemässe Regulierungen sinnvoll wären. Ähnlich wie Mobilfunk-Anbieter verpflichtet sind, auch Gespräche aus anderen Netzen zu verarbeiten, könnte man Social-Media-Plattformen zur Interoperabilität verpflichten und gemeinsame, offene Standards einführen.“ Über Netzneutralität wird viel diskutiert – anstatt sie einzuschränken würde Leonhard Plank lieber eine Art „Suchneutralität“ bei Suchmaschinen gewahrt sehen, die dafür sorgt, dass Suchergebnisse nach sinnvollen Kriterien nach vorne gereiht werden.

Doch der Vergleich mit Telekommunikation oder anderen Infrastruktur-Anbietern trifft den Kern der Sache auch nicht ganz, meint Plank: Schliesslich handelt es sich bei vielen Online-Plattformen nicht bloss um Infrastruktur-Anbieter ohne Interesse an den Inhalten, sondern vielmehr um eigene, neuartige sozio-technische Ökosysteme. Die Plattformen agieren als Gatekeeper, die ihrerseits Regeln setzen und kontrollieren. Sie greifen damit in die Auswahl der Information ein, die wir zu Gesicht bekommen. Insofern kommt grossen Online-Plattformen eine soziale und politische Verantwortung zu, wie sie andere Unternehmen nicht haben. „Das ist ein guter Grund, in diesem Bereich besonders vorsichtig zu sein, und mit den passenden gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür zu sorgen, dass die Online-Industrie allen Menschen zugutekommt“, ist Plank überzeugt.

 

www.tuwien.ac.at

 

Top-Info

TÜV Rheinland: Cybergefahren für Industrieanlagen unterschätzt

Hacker greifen zunehmend Industrieanlagen an. Doch viele Unternehmen wissen nicht genau, welchen Gefahren ihre Anlagen durch Cyberangriffe ausgesetzt sind. Zudem sind ihre Massnahmen für Cybersecurity meist nicht auf den Schutz von Industrieanlagen zugeschnitten. Das zeigt eine neue Studie von TÜV Rheinland. Für die weltweite Studie fragte der international tätige Prüfdienstleister 370 Verantwortliche danach, wie Unternehmen und Organisationen ihre Industrieanlagen vor Cyberangriffen schützen.

Weiterlesen ...

Schon gesehen?

Internet-Giganten brauchen Regeln

Was ist der Unterschied zwischen Social-Media-Plattformen und Abwasserrohren? Online-Unternehmen müssen ähnlich reglementiert werden wie Infrastruktur, sagt eine TU-Studie.

Die Macht grosser Internet-Plattformen ist im letzten Jahrzehnt gewaltig gewachsen. Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook gehören zu den grössten und finanzkräftigsten der Welt. In vielerlei Hinsicht haben sie traditionelle Firmen der „Old Economy“ überflügelt. Hunderte Millionen Kundinnen und Kunden könnten sich ihr Leben ohne bestimmte grosse Online-Plattformen gar nicht mehr vorstellen.

Weiterlesen ...

Werbung

News aus der Branche

localsearch übernimmt KMU-Dienstleister Websheep GmbH

localsearch (Swisscom Directories AG) übernimmt den KMU-Dienstleister Websheep GmbH. Mit der Übernahme baut das Unternehmen seine Stellung als führende Digitalagentur für Schweizer KMU aus.

localsearch (Swisscom Directories AG), die führende Digitalagentur für Schweizer KMU und Betreiberin von local.ch und search.ch, übernimmt per sofort den KMU-Dienstleister Websheep GmbH und dessen Plattformen fahrlehrervergleich.ch, zahnarztvergleich.ch, anwaltvergleich.ch, treuhandvergleich.ch und coiffeurvergleich.ch.

Weiterlesen ...

Neue Produkte

  • Den Warenfluss in der Produktion durch mobile Datenerfassung digitalisieren

    Der Erfolg, der für Unternehmen aus der Digitalisierung resultiert, kann sich in den letzten Jahren immer mehr sehen lassen: Unternehmen nutzen zunehmend die Technik der heutigen Zeit, um Prozesse zu optimieren und Fehler sowie dessen Quellen zu reduzieren. Eine immer gängiger gewordene Lösung um Prozesse zu tracken, auszuwerten und zu optimieren ist die Nutzung von MDE-Geräten zur mobilen Datenerfassung via Barcodescan.

    Weiterlesen ...

Büro-Technik

  • Diese Trends bestimmen das Dokumenten- und Geschäftsprozess-Management in 2019

    Fortschritte beim Einsatz von Technologien rund um Künstliche Intelligenz, Machine Learning oder Blockchain haben sich in vielen Unternehmen bereits nachweislich auf die Digitalisierung von Prozessen ausgewirkt. Davon ebenfalls betroffen ist entsprechend der in diesen Workflows enthaltene «Content» und damit auch die jeweils dahinterliegende «Content Service Plattform» in der die Dokumente und Prozesse verwaltet werden. Manfred Terzer, Gründer und CEO des ECM-Spezialisten Kendox gibt einen Ausblick auf vier wichtige Trends, die im Bereich Enterprise Content Management und Dokumentenmanagement-Lösungen (ECM/DMS) für das Jahr 2019 zu erwarten sind. 

    Weiterlesen ...

Netzwerke

  • Diabolocom präsentiert 100% Cloud-basierte Lösung für Multi-Channel Kundendialog auf der CCW 2019

    Diabolocom, der französische Softwareanbieter von Cloud-basierten Contact Center Lösungen, ist von 19.- 21. Februar 2019 auf der Call Center World 2019 in Berlin präsent. Der junge Anbieter, der gerade im Eiltempo den europäischen Markt erobert, stellt dem Fachpublikum das Erfolgsgeheimnis seiner Cloud-basierten Multi-Channel-Lösung für den Kundendialog im Contact Center vor: Ultraschnelles Setup und Implementierung, hoher Bedien-Komfort, Integration mit allen gängigen CRM-Systemen sowie grösstmögliche Flexibilität und Skalierbarkeit für alle Arten von Workloads und Unternehmensgrössen. 

    "Als grösste europäische Kongressmesse für Digitalisierung im Kundendialog bietet die CCW den perfekten Rahmen, um unseren Kunden und dem interessierten Fachpublikum Einblick in die einfache Handhabung und die unschlagbaren Vorteile unserer Cloud-basierten Lösung zu geben," erklärt Frédéric Durand, Gründer und CEO von Diabolocom. Der Unternehmer und visionäre Technikexperte wird auf der CCW persönlich vor Ort sein und für Gespräche zur Verfügung stehen.

    Weiterlesen ...

Stellenbörse

IT-Sicherheit

  • Zwischen Spass und Verbrechen - Cybercrime als gesellschaftliches Phänomen und existenzielles Risiko

    Er ist 20 Jahre alt, Schüler und wohnt noch bei seinen Eltern. So sieht das Profil des Tatverdächtigen aus Mittelhessen aus, der hunderte Datensätze von Politikern und Prominenten gestohlen und über Twitter veröffentlicht haben soll. Ein politisches oder wirtschaftliches Motiv ist nach Aussagen der Ermittler auf den ersten Blick nicht erkennbar. Über die Tragweite seiner Taten war sich der junge Mann nach bisherigem Stand selbst nicht im Klaren. Und genau das macht das Problem so bedeutsam.

    Gerd Neudert, Geschäftsführer Cluster IT Mitteldeutschland e. V.: „Wenn es um Internetkriminalität geht, rücken schnell ausländische Geheimdienste und terroristische Organisationen als Drahtzieher ins Visier. Tatsächlich besteht durch professionell angelegte Hackerangriffe, zum Beispiel in Form von Wirtschaftsspionage, ein grosses Gefahrenpotenzial für Unternehmen, Organisationen und Menschen. Nicht selten drohen den Opfern dieser Cyberverbrechen existenzielle Schäden. Dennoch ist Internetkriminalität bei Weitem nicht nur auf professionelle, wirtschaftlich oder politisch motivierte Täter zurückzuführen. 

    Weiterlesen ...

Internet

  • Versicherungen brauchen digitale Angebote für junge Kunden

    Jeder zweite 16- bis 29-Jährige würde gerne ausschliesslich online mit seiner Versicherung kommunizieren. 3 von 5 aus dieser Altersgruppe können sich vorstellen, eine Police bei einem Digitalunternehmen abzuschliessen.

    Um junge Kunden anzusprechen, müssen Versicherungen verstärkt digitale Angebote entwickeln. Die Bundesbürger unter 30 Jahre erwarten überdurchschnittlich häufig eine digitale Kommunikation und Schadensabwicklung mit ihrer Versicherung. Mehrheitlich können sie es sich sogar vorstellen, eine Police bei einem Digitalunternehmen statt bei einem klassischen Anbieter abzuschliessen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 1'003 Bundesbürgern ab 16 Jahre im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. 

    Weiterlesen ...

Business-Software

  • Fünf Digitaltrends für die Retail-Branche

    In wenigen Wochen bricht das neue Jahr an. Der ideale Zeitpunkt, einen Blick auf anstehende digitale Entwicklungen im Handel zu werfen. Laut Namics , einem der führenden Schweizer Fullservice-Digitalagentur, werden 2019 für den Retail-Bereich fünf Digitaltrends besonders wichtig. Welche das sind, verrät Handelsexperte Alexander Henss, Senior Principal Consultant bei Namics.

    Weiterlesen ...

IT-Service

  • Erstes komplett mit Low-Code umgesetztes Grossprojekt erfolgreich abgeschlossen

    Die Hersteller von Low-Code-Plattformen streben bekanntlich einen „Faktor 10“ hinsichtlich der Effizienz der Softwareentwicklung an. Dies gilt meist für kleinere und mittlere Projekte. Dass die Low-Code-Technologie auch ideal für Grossprojekte geeignet ist, beweist das von Scopeland Technology jüngst umgesetzte Projekt für die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Hierbei handelt es sich um eine mehr als 58 Fachmodule umfassende Softwarelösung für die Fischerei-IT, bei der von circa 1,9 Millionen Zeilen Programmcode mehr als 99% automatisch generiert wurden.

    Weiterlesen ...